Die Edelweißpiraten und das Festival am 03.07.2016 in Köln

„Die Edelweißpiraten entstanden in den Jahren 1938/39, nachdem die Bündische Jugend verboten worden war und die Verordnung der »Jugenddienstpflicht« vom 25.2.1939 die Jugendlichen endgültig in die Hitlerjugend oder den Bund deutscher Mädels gezwungen hatte. Mitglieder der Edelweißpiraten waren überwiegend junge Arbeiter aus dem Rhein-Ruhr-Gebiet. Ihr Erkennungszeichen war ein Edelweiß unter dem linken Rockaufschlag oder eine edelweißfarbene Stecknadel.

Es wird geschätzt, dass die Edelweißpiraten mehrere tausend Anhänger, im Alter zwischen 14 und 17 Jahren hatten. Anfänglich war die Bezeichnung »Edelweißpiraten« eine Provokation für oppositionelle Jugendliche, die dann erst Mitte des Zweiten Weltkrieges von den Widerständigen selbst übernommen wurde. Der Widerstand der Edelweißpiraten gegen das NS-Regime äußerte sich in der Anfangsphase in der Durchführung verbotener Fahrten und Zeltlager. Das freie Fahrtenwesen der »Wandervogelbewegung“ war von der HJ-Führung verboten worden. Stattdessen wurden HJ-Fahrten und -Lager eingeführt. Hier war der Tagesablauf mit militärischer Disziplin geregelt, es dominierten ideologische Schulungen und paramilitärische Übungen.

edelweisspiraten

… Ein Großteil der Gruppenmitglieder kannte sich nur mit dem Spitz- oder dem Vornamen, was auch ein Schutz bei Folter-Verhören war. 1943 entschlossen sich einige Mitglieder der Edelweißpiraten, in die Illegalität zu gehen und Kontakt zur politischen Opposition aufzunehmen, wie zum Beispiel die wohl bekannteste Edelweißpiraten Gruppierung aus dem Kölner Arbeiterstadtteil Ehrenfeld, die so genannte »Ehrenfelder Gruppe«.“

Dieser Text ist ein Auszug aus der Seite www.klapperfeld.de.
Der ganze Text findet sich hier: www.klapperfeld.de/ausstellung/zeitzeuge-wolfgang-breckheimer/edelweisspiraten.html

Das Edelweißpiraten-Festival

In diesem Jahr findet bereits das 12. Festival in Köln statt. Zu Ehren der Edelweißpiraten werden 25 Gruppen ihre Definition von unangepasster und engagierter Musik präsentieren.

Ort und Zeit:
am So. 03.07., ab 14 Uhr, im Friedenspark, Oberländer Wall / Hans-Abraham-Ochs-Weg, Köln Südstadt.

www.edelweisspiratenfestival.de

Abends werden wir dort auch mit Kol colé spielen.

edelplakat2016

Nachtrag: Nachruf auf Mucki Koch

Eben bekam ich noch eine Mail von Jan Krauthäuser, dem Veranstalter des Festivals, weitergeleitet:

 

Liebe Edelweißpiratenfreunde,

gestern hat uns Filos, der Mucki Koch seit Jahren liebevoll betreut, ein Video geschickt auf dem er mit Mucki kölsche Lieder singt. Heute Morgen ist sie dann ganz friedlich entschlafen. Im Alter von 92 Jahren. Bei sich zu Hause, so wie sie es sich gewünscht hat.

Gertrud »Mucki« Koch (geb. Kühlem) gehörte zu den besonderen Menschen, die viel Böses erleiden und viel Gutes geben können. Ihr geliebter Vater, der von Anfang gegen die Nazis demonstriert hat wurde von diesem ins KZ gesteckt und ermordet. Sie selbst wurde als Edelweißpiratin mit 17 Jahren mehrfach verhaftet und gefoltert und überlebte nur knapp den Naziterror. Auch die Nachkrieszeit bescherte ihr viel physisches und psychisches Leid. Aber sie ließ sich nie unterkriegen, blieb unangepasst und widerstandsfähig und genoss das Leben mit ihrem treuen Mann und Kampfgefährten Willi Koch.

Singen war ihr Lebenselexier! Das Singen der alten bündischen und kölschen Lieder hat sie immer wieder vor der Verzweiflung bewahrt und uns so manche Sternstunde beschert.
Das ist auch die letzte Boschaften an uns, ijre letzten Worte gestern Abend: Singen beruhigt!. Wenn ihr traurig seidt, geht raus und singt! – Und ihre zweite Botschaft, an unser Festival: Feiern ist schön aber bleibt wachsam und redet mehr miteinander!

Liebe Mucki, Du hast viele von uns zum Singen und zum Nachdenken gebracht.
Wir danken Dir von ganzem Herzen und werden Dir noch viele Lieder widmen!

Mach et jot!

Jan Krauthäuser
– auch im Namen des Edelweißpiratenfestivals und des Singenden Holunders –

P.S.: Verrückterweise ist Mucki genau an dem Tag gestorben, an dem unser Buch über das Edelweißpiratenfestival, mit einem Interview und vielen Bildern von ihr, fertig geworden ist. Wir hätten es ihr sehr gerne noch gezeigt und wir hätten sie sehr gern noch einmal auf ihrem, unserem Festival erlebt, für das sie ein letztes mal ihr Pflegebett verlassen wollte…
Sie wird so oder so ganz deutlich bei uns sein!

Die Trauerfeier findet am 28.06. in der Halle des Westfriedhof statt, Uhrzeit steht noch nicht fest.

Das Buch zum Edelweißpiratenfestival wird am 24.06., 19.30 Uhr in Mannis Rästorang vorgestellt.

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1 Antwort

  1. Helena Georgopoulos sagt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Es ist sehr schön konkret zu erfahren, wer Widerstand geleistet hat und überlebt hat, das waren ja wohl nicht viele und mir persönlich ist praktisch noch keiner begegnet .

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