Kategorie: Jüdische Kultur

Jüdische Schneider

Di yontevdike teg

Gestern am 18.09.20 begannen mit dem Neujahrsfest Rosh hashanah die hohen Feiertage – die yontevdike teg. Viele Juden Osteuropas lebten in großer Armut. Handwerker und Tagelöhner schufteten rund um die Uhr, um sich das Nötigste zum Überleben zu sichern. Nur am Sabbath und an den hohen Feiertagen (di yontevdike teg) ruhte die Arbeit und man versuchte irgendwie, sich etwas Besonderes zu leisten: ein Stück Fleisch, einen Fisch, ein...

Jüdisches Antifaschistisches Komitee

Das Jüdische Antifaschistische Komitee und das Ende von Yiddishkayt in Russland

Russland, das war zusammen mit Polen, Rumänien, Modawien und dem Baltikum das Land der ostjüdischen Kultur, der „Yiddishkayt“, der jiddischen Sprache, der Klezmermusik. Der Beginn des 20. Jahrhunderts war die Zeit der großen Auswanderung nach Amerika, und an der amerikanischen Ostküste bildete sich ein neues Zentrum von jiddischer Kultur. New York ist bis heute die heimliche Hauptstadt von „Yiddishland“. Und in der Mitte der 20. Jahrhunderts ging diese...

Arkady Gendler

A bissele glik

Arkady Gendler wurde 1921 in Soroca (Bessarabien, heute Moldavien) geboren. Er wuchs in einem jiddischsprachigen Umfeld auf, in dem viel gesungen wurde. Nur er und ein Bruder überlebten den Holocaust, fast seine ganze Familie kam in Lagern um. Im Stalinismus wurde die jüdische Kultur- und Musikszene systematisch unterdrückt und viele ihrer Protagonisten fielen Stalins Säuberungen zum Opfer. An der Unterdrückung änderte sich auch nach seinem Tod nicht viel...

Boris Sandler

Boris Sandler – Treplekh aroyf tsu a nes

Boris Sandler ist ein jiddischsprachiger Dichter, Schriftsteller, Dramaturg und Journalist. Er wurde 1950 in Beltz, Bessarabien, heute Moldawien, geboren und wuchs als Kind von Holocaust-Überlebenden in einem jiddisch-sprechenden Umfeld auf. Er studierte Literatur in Moskau und gehörte zu den ersten, die sich nach Stalins Säuberungen unter jüdischen Intellektuellen wieder mit jiddischer Sprache und Kultur beschäftigten. Sein literarisches Debut erschien 1981 in dem jiddischen Journal „Sovetish heymland“.  Bella Liebermann...

Marc Chagall, Flug über die Stadt

Marc Chagall

Der 6. (nach anderen Angaben der 7.) Juli war der Geburtstag von Marc Chagall. Er wurde im Jahr 1887 in Witebsk, Weißrussland, in einer einfachen jüdischen Familie als Moische Schagal geboren. Mit Anfang Zwanzig ging er zunächst nach St.Petersburg und 1910 mit Hilfe eines Stipendiums nach Paris, wo er sich ein eigenes Atelier einrichtete. Die Werke von Henri Matisse und anderer Fauvisten wie die Werke von Paul Gauguin...

Joseph Roth

Joseph Roth und André Kaminski

Joseph Roth und André Kaminiski – das sind zwei ganz verschiedene jüdische Schriftsteller aus zwei Generationen, die aber beide in zahlreichen Romanen, Essays und Erzählungen anschaulich das jüdische Leben in Osteuropa Anfang des letzten Jahrhunderts beschreiben. Nächstes Jahr in Jerusalem Letztens fiel mir ein Roman in die Hände, den ich mit Vergnügen gelesen habe: André Kaminskis „Nächstes Jahr in Jerusalem“, eine jüdische Familiensaga aus dem von Krieg und...

Mendy Cahan und Amitai Kedar

Messias und Christus vor den Toren von Rom

Esther’s Cabaret: Moshiach later / Nisht geshtoygn, nisht gefloygn In dem Cabaret „Moshiach later / Nisht geshtoygn un nisht gefloygn“ (Esther’s Cabaret, 2019) geht es um essentielle Fragen: die Sehnsucht nach dem Erscheinen des Messias, wie wird er kommen?, wer wird der Esel sein, auf dem er reitet und wird es überhaupt ein Esel sein?, wird es wirklich gut sein, wenn er kommt? Und was passiert, wenn sich...

Brennende Synagoge

Kristallnacht

Heute ist der 81. Jahrestag der Reichspogromnacht. Und trotz der beklemmenden Aktualität, den das Thema gerade in diesem Jahr hat, habe ich das Gefühl, dass es vor lauter 30-Jahre-Mauerfall-Beiträgen medial ziemlich stiefmütterlich behandelt wird. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland die Synagogen, unzählige jüdische Geschäfte wurden zerstört – das Glas der zerbrochenen Fensterscheiben führte zu dem Namen „Kristallnacht“. Unter  diesem Namen...

Klagemauer

Jom Kippur

Ausgerechnet Jom Kippur. Ausgerechnet mit diesem Namen verbinden sich Gewalttaten. Vielen von uns fällt zu diesem Namen vermutlich zuerst der Jom-Kippur-Krieg von 1973 ein. Und jetzt, 2019, das Attentat von Halle. Jom Kippur ist der allerhöchste jüdische Feiertag, 10 Tage nach Rosch Ha-schanah, dem jüdischen Neujahrsfest. Er ist der Höhepunkt einer zehntägigen Zeit, in der es darum geht, sich zu läutern, Ballast des alten Jahres abzuwerfen, und v.a....

Girona

Kol Colé in Girona

Auf unserer Konzertreise nach Fès diesen Sommer sind wir schon einmal tief in die jüdisch-sephardische Vergangenheit von Marokko eingetaucht. Bella Liebermann hat hierzu einen ausführlichen Bericht geschrieben. Der letzte Monat führte uns dann wieder außer Landes, diesmal nach Girona in Spanien. Und auch hier gibt es viele Spuren einer vielfältigen und reichen jüdischen Vergangenheit zu entdecken. „El Call“ ist eine alte Bezeichnung für die Judenviertel in katalonischen Städten....