Das Kiselgof-Makonovetsky Digital Manuscript Project

Ein Schatz der Klezmermusik erwacht aus seinem Dornröschenschlaf

Zur Zeit erweitert sich unsere Kenntnis an traditionellen Klezmerstücken erheblich – dank des Kiselgof-Makonovetsky Digital Manuscript Projektes. Dieses Projekt mit dem sperrigen Namen und einer ebenso sperrigen Abkürzung (KMDMP) hat eine lange Vorgeschichte.

In den Jahren 1912 – 1914 sammelte der weißrussische Ethnologie Zusman Kiselgof (Zinovy Kiselgoff) während der sog. An-Ski-Expeditionen traditionelle jüdische Melodien in der Ukraine und in Weißrussland. (Der jüdisch-russische Schriftsteller und Ethnograf Salomon An-Ski ist v.a. als Autor des berühmten Stückes „Der Dybbuk“ bekannt geworden.)

Avraham Makonovetsky wiederum war ein jüdisch-russischer Violinist, der viele handschriftliche Manuskripte für den bekannten Musikethnologen Moisje Beregovsky notierte. Wie vieles andere Material von Beregovsky so blieb auch dieses in der antisemtisch geprägten Sowjetunion unter Verschluss und geriet in Vergessenheit.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion kam dieses Material in die ukrainische Vernadsky-Nationalbibliothek in Kiew, wo es weiter vor sich hin schlummerte. Erst vor kurzem wurde es aus seinem Dornröschen-Schlaf erweckt, dank der Initiave von Zev Feldman, Pete Rushefsky, Christina Crowder, Chitoshi Hinoue und vieler anderer engagierter Klezmermusiker und -forscher. Über 1000 handschriftliche Musiknotationen wurden fotografiert und werden jetzt nach und nach digitalisiert und der Öffentlichkeit weltweit zur Verfügung gestellt. Dazu wurde das KMDMP gegründet, an dem viele Freiwillige mitarbeiten.

Das Jiddische Tanzorchester beim Yiddish Summer Weimar 2021 hatte sich ganz der Kiselgof-Sammlung gewidmet und wir haben fast ausschließlich Stücke daraus erarbeitet.

Einen schönen Einblick in diese Musik geben uns Suzi Evans und Szilvia Csaranko beim YNY Klezathon, dem ersten 24-Stunden-Konzert-Marathon über Zoom/Facebook (ab 02:47:30). Aber das ist wieder eine andere Geschichte…

 

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