Die Zigeunernacht in Köln und der Begriff „Zigeuner“

Es war ein langer und wunderschöner Abend in der Lutherkirche in der Kölner Südstadt. Den Anfang machten Kol Colé mit hebräischen, jiddischen und sephardischen Liedern, danach rockte das Markus Reinhardt Ensemble das Haus mit seinem Sinti Swing. Und schließlich eroberte Karsten Troyke mit Charme und Witz die Herzen des Publikums.

Als zum Schluss alle Musiker gemeinsam jiddische und russische Versionen von „Dance me to the End of Love“ und „Those Were the Days“ spielten, sang das Publikum begeistert mit und einige begannen zu tanzen.

Ein Dank nochmal an die Organisatoren, allen voran Markus Reinhardt und Jan Krauthäuser!

Fotos: Jan Krauthäuser

 

 

„Zigeuner“?

Schwierig. Ich zitiere zunächst mal Wikipedia:

„Die gewichtigeren nationalen und internationalen Interessenvertretungen der Roma lehnen die Anwendung des Begriffs auf Roma wegen der stigmatisierenden und rassistischen Konnotationen ab. Sie sehen das Wort im Kontext einer langen Verfolgungsgeschichte, die im nationalsozialistischen Genozid kulminierte.

Aus dem Sprachgebrauch deutschsprachiger staatlicher und nichtstaatlicher Verwaltung, der Justiz, großer gesellschaftlicher Institutionen wie der Gewerkschaften oder der Kirchen, internationaler Behörden und der Politik ist der Begriff „Zigeuner“ inzwischen verschwunden. Er wird auch in den Medien kaum noch gebraucht, mit Ausnahme von rechtsextremen Publikationen und ihnen nahestehenden Organisationen. Eigenbezeichnungen wie Roma oder Sinti haben andere Bedeutungen und andere Konnotationen als die Fremdbezeichnung. Sie lassen sich daher nicht mit ihr gleichsetzen, sondern lösen sie mit eigenständigen Inhalten ab.“

Wikipedia: Zigeuner (ausführlicher Artikel)

Markus Reinhardt, der ja nicht nur die Kölner Zigeunernacht, sondern auch das Zigeunerfestival im Sommer organisiert, sagt dazu: „‚Zigeuner‘ steht für uns für eine lange und reiche Kultur, auf die wir stolz sind. Und wir wollen uns diesen Begriff nicht von Rechten und Rassisten nehmen lassen.“ (nicht wörtlich zitiert)

Er als Sinti kann das sagen. Ich kann den Begriff „Zigeuner“ in diesem Zusammenhang benutzen, ansonsten bin ich auch sehr vorsichtig und zurückhaltend, ihn im öffentlichen Raum (z.B. in diesem Blog oder auf der Bühne) zu verwenden. Es ist schade, für das alte und internationale Wort „Zigeuner“ gibt es keinen Ersatz, der Sammelbegriff „Sinti und Roma“ ist eher eine Verlegenheitslösung und ziemlich unzureichend. Ungefähr so, als würde man alle Deutschen als „Bayern und Preußen“ bezeichnen.

Wie lange werden wir noch „Jude“ sagen? Schließlich gibt es hier auch genügend „stigmatisierenden und rassistischen Konnotationen“ und „Du Jude“ etabliert sich wieder als Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen. Also irgendwann Einknicken vor den rassistischen Sprachzerstörern und nur noch von z.B. „Hebräern“ sprechen?

 

 

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