Rosinkess mit Mandlen

Aus der Volksliteratur der Ostjuden

Volksliteratur der OstjudenWer öfters Jiddish in transkribierter Form, d.h. in lateinischen Buchstaben, liest, ist meist entweder die deutsche Duden-Umschrift oder den amerikanischen Yivo-Standard gewohnt („ich wel gejn ahejm“ <=> „ikh vel geyn aheym“). Da mutet die Umschrift aus der folgenden Schatzkiste schon ziemlich archaisch an:

Aus der Volksliteratur der Ostjuden
Schwänke, Erhählungen, Volkslieder und Rätsel
gesammelt von Dr. Immanuel Olsvanger
Basel 1920

Kleine Kostprobe:

Wi wer lacht

As me darzejlt a majsse a pauer, lacht er draj mol. Dem erschten mol lacht er, wen men darzejlt em di majsse, dem zwejten mol, wen men darklert em, und dem driten mol, wen er farschtejt di majsse.

A porez lacht zwej mol. Ejn mol lacht er, wen men darzejlt em un a zweiten mol, wen me darklert em, worem farschtejn – farschtejt er si ssaj-wi-ssaj nit.

An ofizer lacht nor ejn mol, b’schass me darzejlt em, worem darkleren lost er sach nit und farschtejn farschtejt er nit.

A id, as me darzejlt em a majsse, macht er: „Wejss ich wos! alte majsses!“ un er ken die majsse besser darzejlen.

(Di majsse ist die Geschichte, in diesem Fall ein Witz, der pauer der Bauer und der porez der Gutsherr).

Das komplette Buch mit hunderten von Witzen, Kurzgeschichten und Liedern, sowie einer ausführlichen Einleitung in die ostjüdische Kultur und Lebensweise,  gibt es online zu lesen auf den wunderbaren Seiten von archive.org:

https://archive.org/stream/ausdervolksliter00oslvuoft#page/n0/mode/2up

Das Hardcover ist bei amazon „not in stock“,  aber antiquarisch offensichtlich durchaus noch erhältlich.

 

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