Götz Aly: Warum die Deutschen? Warum die Juden?

Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800 – 1933

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Sie waren einfach die besseren Deutschen: gebildet, aufstiegsorientiert, geschäftstüchtig – die deutschen Juden im 19. Jahrhundert. Oftmals waren sie vor dem Antisemitismus im Osten geflüchtet und waren hochmotiviert, ihre Chancen, die ihnen Deutschland damals noch bot, zu nutzen.

Demgegenüber der deutsche Michel: eher ungebildet, wenig innovativ, bieder und jedem Fortschritt gegenüber erstmal skeptisch. Ob es um Professuren an der Uni oder um Spitzenpositionen in Wirtschaft und Banken ging, oft hatte die jüdische Minderheit die Nase vorn.

Von daher führt Götz Aly den speziell deutschen Antisemitismus auf ein einfaches und alles andere umfassendes Motiv zurück: Sozialneid.

Die wirtschaftliche Not nach dem 1. Weltkrieg, ausgelöst u.a. durch die horrenden Reparationsforderungen der Siegermächte, die Weltwirtschaftskrise der frühen 30er Jahre mit Massenarbeitslosigkeit und -armut in der Folge, sie fachten diesen Neid an, führten zum Hass und ebneten den Weg nach Auschwitz. Das hatte natürlich keiner gewollt, aber weggesehen haben alle, froh, dass die Juden mal richtig auf die Mütze kriegen…

Voller Details, gründlich recherchiert, gut zu lesen – für jeden, der sich mit deutsch-jüdischen Beziehungen auseinandersetzt ein wirklich empfehlenswertes Buch, bei dessen Lektüre ich so ganz nebenbei auch noch viel neues aus der deutschen Geschichte erfahren habe.

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