Workshop Balkanmusik und -chor in Bielefeld
Workshop Balkanmusik und -chor in Bielefeld mit Stefanie Hölzle, 06. – 07. November 2026
Das Blog von Tangoyim
Das Leben im Wilnaer Ghetto war geprägt von Hunger, Kälte, Überbelegung und ständiger Angst vor den sogenannten „Aktionen“, bei denen Menschen selektiert und meist in das nahegelegene Ponar zur Erschießung gebracht wurden. Entsprechend lebten im Ghetto auch viele Waisen- und Straßenkinder. Ihnen hat Leyb Rosenthal mit diesem Lied ein Denkmal gesetzt.
Leyb Rosenthal, wurde 1916 in Wilna geboren und stammt aus einer bekannten Wilnaer Druckerfamilie. Er hat eine Reihe von Theatertexten geschrieben, hauptsächlich für seine Schwester Chayela, die diese auf der Ghetto-Bühne aufführte. Leyb Rosenthal wurde im deutschen Konzentrationslager Dautmergen ermordet.
Das Lied wurde im Februar 1942 uraufgeführt, am zweiten öffentlichen Abend des Wilnaer Ghetto-Theaters. Nach einigen Angaben ist die Komponistein Nina Gerstein, eine Wilnaer Ballett-Lehrerin, nach anderen stammt die Musik von dem Leiter des Orchesters im Wilnaer Ghetto, Misha Veksler (1907 – 1943).
Mehr Artikel zu dem Thema:
Lieder aus dem Wilnaer Ghetto
Ver vet blaybn, vos vet blaybn
Friling
Nu koyft zhe papirosn,
Nu koyft zhe sakharin,
Gevorn iz haynt skhoyre bilik vert.
A lebn far a groshn,
A prute — a fardinst —
Fun geto-hendler hot ir dokh gehert.
Kh’heys Yisrolik
lkh bin dos kind fun geto,
Kh’heys Yisrolik
A hefkerdiker yung.
Khotsh farblibn gole neto
Derlang ikh alts nokh
A svistshe un a zung!
A mantl on a kragn,
Takhtoynim fun a zak,
Kaloshn hob ikh — s’feln nor di shikh.
Un ver es vet nor vagn
Tsu lakhn, oy, a sakh —
Dem vel ikh nokh vayzn ver bin ikh!
Kh’heys Yisrolik . . .
Nit meynt mikh hot geboyrn
Di hefkerdike gas —
Bay tate-mame oykh geven a kind.
Kh’hob beydn ongevorn,
Nit meynt es iz a shpas,
Kh’bin geblibn vi in feld der vint.
Kh’heys Yisrolik,
Nor ven keyner zet nit
Vish ikh shtil zikh
Fun oyg arop a trer.
Nor fun mayn troyer —
Beser az men redt nit,
Tsu vos dermonen
Un makhn s’harts zikh shver.


Nun kauft Zigaretten, nun kauft Sacharin,
Heute sind die Waren besonders billig:
ein Leben für einen Groschen, ein Pfennig ein Verdienst
vom Ghetto-Händler habt ihr doch gehört.
Ich heiß Yisrolik, ich bin ein Kind des Ghettos.
Ich heiß Yisrolik, ein ausgesetzter Junge.
Obwohl kaum etwas verbleibt,
habe ich noch ein Pfeifen und ein Lied!
Ein Mantel ohne Kragen, einen Sack als Hemd,
Galoschen habe ich, es fehlen nur die Schuhe.
Und wer es nur wagt, zu lachen, oh, eine ganze Menge
dem werde ich zeigen wer ich bin!
Glaubt nicht, mich hat geboren die erbarmungslose Straße,
bei Vater und Mutter war auch ein Kind.
Ich habe beide dann verloren, das war bei Gott kein Spass,
Ich bin geblieben, wie der Wind auf dem Feld.
Ich heiße Yisrolik, nur wenn keiner hinsieht,
wische ich mir still eine Träne aus dem Auge.
Nur von meiner Trauer, redet man besser nicht,
warum erinnern und sich das Herz unnötig schwer machen?
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