Hanna Szenes und das Lied „Eli, Eli“

Hanna Szenes

Hanna Szenes wurde nur 23 Jahre alt. Sie war eine jüdische-ungarische Dichterin und Widerstandskämpferin während des Zweiten Weltkriegs. Ihr Gedicht „Eli, Eli“, später als Lied vertont, entstand 1942 in Palästina und wurde zu einem zentralen Werk der israelischen Erinnerungskultur.​

Sie wurde am 17. Juli 1921 in Budapest in einer assimilierten jüdischen Familie geboren. In den 1930er Jahren radikalisierte sich der Antisemitismus in Ungarn, was Szenes zur zionistischen Bewegung führte. 1939 emigrierte sie nach Palästina, trat dem Kibbuz Sdot Jam bei und absolvierte eine Ausbildung bei der Haganah, der jüdischen Untergrundarmee.​

1943/44 wurde Hanna Szenes von den Briten für eine Spezialoperation als Fallschirmspringerin ausgebildet.​

Im März 1944 sprang sie mit zwei Kameraden über dem besetzten Jugoslawien ab. Die Gruppe trennte sich; Szenes und ihre Begleiterin versuchten, die ungarische Grenze zu erreichen, wurden aber an der Grenze von ungarischen Gendarmen verhaftet. Auch unter brutaler Folter verriet sie weder Namen noch Pläne ihrer Gruppe.​

Ein Sondergericht verurteile sie wegen Hochverrats zum Tod. Szenes wurde am 7. November 1944 erschossen. Ihre sterblichen Überreste ruhen heute auf dem Berg Herzl in Jerusalem.​

Entstehung und Inhalt des Gedichts „Eli, Eli“

Das Gedicht „Halikha le-Kesarya“ („Ein Spaziergang nach Caesarea“) schrieb Szenes 1942 während eines Ausflugs an die Küste Palästinas. Es beginnt mit den Worten „Eli, Eli“ („Mein Gott, mein Gott“), eine Anspielung auf Psalm 22.​
Der Text beschreibt eine meditative Reflexion: „Möge es nie enden, der Sand und das Meer, das Rauschen der Wellen, der Blitz im Himmel, das Gebet des Menschen.“ Es thematisiert die Vergänglichkeit des Lebens inmitten ewiger Naturphänomene.​

1945 vertonte der Komponist David Zehavi das Gedicht. Die Melodie, einfach und hymnisch, machte es zu einem der populärsten hebräischen Lieder.​

„Eli, Eli“ wird seit den 1940er Jahren in Israel gesungen, insbesondere bei Gedenkveranstaltungen wie Jom HaSchoa (Holocaust-Gedenktag). Es symbolisiert nicht Kampf, sondern spirituelle Resilienz.​

אלי, אלי
שלא יגמר לעולם
החול והים
רשרוש של המים
ברק בשמים
תפלת האדם

Eli, Eli,
shelo yigamer le’olam,
hachol ve-hayam,
rishrush shel hamayim,
barak ba-shamayim,
tefilat ha’adam.

Mein Gott, mein Gott,
lass es niemals enden bis in Ewigkeit:
den Sand und das Meer,
das Rauschen der Wellen,
den Blitz am Himmel,
das Gebet des Menschen.

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