Das Kiselgof-Makonovetsky-Projekt

Die Namen „Kiselgof“ und „Makonovetsky“ haben wir das erste Mal 2021 beim Yiddish Summer Weimar gehört. Genau genommen hat das Projekt den sperrigen Namen und die immer noch sperrige Abkürzung Kiselgof-Makonovetsky Digital Manuscript Project (KMDMP).

Hunderte vergessene Klezmer-Melodien, die jahrzehntelang in der Vernadsky-Nationalbibliothek in Kiew verstaubten, erleben dank des Kiselgof-Makonovetsky Digital Manuscript Projects (KMDMP) eine Renaissance. Das Projekt des Klezmer Institute, geleitet von der Akkordeonistin Christina Crowder, macht rund 1.400 Notenblätter – darunter 26 Hefte von Volkskundler Zusman Kiselgof und ein 236-seitiges Manuskript des Geigers Avraham Yehoshua Makonovetsky – digital zugänglich und transkribierbar. Crowder betont, dass diese Sammlung das europäische Klezmer-Repertoire vervierfacht und von virtuosen Solostücken bis zu Alltagsmelodien reicht.​

Die Arbeit begann 2017 mit Scans auf einem USB-Stick bei Yiddish New York und nahm während der COVID-Lockdowns Fahrt auf, als Musikerinnen und Musiker ohne Gigs Zeit hatten, handschriftliche Noten zu digitalisieren. Die deutsche Klarinettistin Hannah Ochner, promovierte Physikerin aus Cambridge, widmete anderthalb Jahre der Transkription von etwa 600 Blättern – darunter eine zerknitterte Skotshne, die ihr zu Ehren „Hannah’s Skotshne“ getauft wurde.

Veretski Pass - The Peacock and the Sunflower

Heute klingen die Melodien wieder: Das Duo Susi Evans (Klarinette, BBC Scottish Symphony) und Szilvia Csaranko (Akkordeon) veröffentlichte auf ihrem Doppel-CD „Fun an Altn Klezmer Heft“ 44 Stücke, die sie in Workshops wie Shtetl Berlin und Yiddish Summer Weimar lehren. Csaranko leitete das 80-köpfige Klezmerorchester Erfurt zu einem Open-Air-Konzert vor 3.000 Zuhörern. Auch das Bay-Area-Trio Veretski Pass integrierte acht KMDMP-Nummern in ihr Album „The Peacock and the Sunflower“ – für Geigerin Cookie Segelstein ein emotionales Erbe aus ihrer ukrainischen Familiengeschichte.​

Das KMDMP lädt Freiwillige zu Zoom-Playalongs und Übersetzungen ein, plant gedruckte Editionen und Klavierbegleitungen – alles frei zugänglich unter Creative Commons. Musikwissenschaftlerin Lyudmila Sholokhova lobt den Bestand als „incalculable value“, da er zeigt, wie Klezmer wirklich gespielt wurde. Von Berlin bis Australien verbreiten Musiker die Stücke, die wie ein „musikalisches Erbstück“ eine verlorene Welt wieder lebendig machen.

Die Files stehen zum Download auf der Seite des Klezmer-Institute.

Schon im Januar 2022 hatte ich einen Artikel zum KMDMP verfasst. Damals war die Thematik für uns noch neu, wir hatten das Projekt erst ein halbes Jahr vorher kennengelernt und es war noch lange nicht soweit fortgeschritten.

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