Hanna Szenes war eine jüdische-ungarische Dichterin und Widerstandskämpferin während des Zweiten Weltkriegs. Ihr Gedicht „Eli, Eli“, später als Lied vertont, entstand 1942 in Palästina und wurde zu einem zentralen Werk der israelischen Erinnerungskultur.
Hanna Szenes wurde 1921 in Budapest in einer assimilierten jüdischen Familie geboren. 1939 emigrierte sie aufgrund des zunehmenden Antisemitismus in Ungar nach Palästina und absolvierte eine Ausbildung bei der Haganah, der jüdischen Untergrundarmee.
1943/44 wurde Hanna Szenes von den Briten für eine Spezialoperation zur Rettung ungarischer Juden als Fallschirmspringerin ausgebildet. Beim Versuch, die ungarische Grenze zu erreichen, wurde sie von ungarischen Gendarmen verhaftet. Auch unter brutaler Folter verriet sie weder Namen noch Pläne ihrer Gruppe. Ein Sondergericht verurteile sie wegen Hochverrats zum Tod. Szenes wurde am 7. November 1944 erschossen.
Das Gedicht „Halikha le-Kesarya“ („Ein Spaziergang nach Caesarea“) schrieb Szenes 1942 während eines Ausflugs an die Küste Palästinas. Der Beginn mit den Worten „Eli, Eli“ („Mein Gott, mein Gott“) ist eine Anspielung auf Psalm 22.
1945 vertonte der Komponist David Zehavi das Gedicht. Die Melodie, einfach und hymnisch, machte es zu einem der populärsten hebräischen Lieder und wird seit den 1940er Jahren in Israel gesungen, insbesondere bei Gedenkveranstaltungen wie Jom HaSchoa (Holocaust-Gedenktag). Es symbolisiert nicht Kampf, sondern spirituelle Resilienz.
אלי, אלי
שלא יגמר לעולם
החול והים
רשרוש של המים
ברק בשמים
תפלת האדם
Eli, Eli,
shelo yigamer le’olam,
hachol ve-hayam,
rishrush shel hamayim,
barak ba-shamayim,
tefilat ha’adam.
Mein Gott, mein Gott,
lass es niemals enden bis in Ewigkeit:
den Sand und das Meer,
das Rauschen der Wellen,
den Blitz am Himmel,
das Gebet des Menschen.

