Kristallnacht

Holocaust-GedenktagHeute ist der 81. Jahrestag der Reichspogromnacht. Und trotz der beklemmenden Aktualität, den das Thema gerade in diesem Jahr hat, habe ich das Gefühl, dass es vor lauter 30-Jahre-Mauerfall-Beiträgen medial ziemlich stiefmütterlich behandelt wird.

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland die Synagogen, unzählige jüdische Geschäfte wurden zerstört – das Glas der zerbrochenen Fensterscheiben führte zu dem Namen „Kristallnacht“. Unter  diesem Namen kannten wir auch früher den Gedenktag, erst später wurde er offiziell zu „Reichspogromnacht“ umbenannt.

In der Woche zwischen dem 7. und dem 13. November wurden 400 jüdische Mitbürger ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Es war ein Scheitelpunkt, eine letzte Warnung für alle deutschen Juden, aus der Heimat zu fliehen, der Übergang von der staatlich geförderten und angeordneten Diskriminierung hin zur systematischen Verschleppung, Internierung und Ermordung, hin zum Holocaust.

Wir haben gestern bei einer Gedenkstunde zur Pogromnacht in Ratingen gespielt. Michael Rubinstein von der jüdischen Gemeinde Düsseldorf sprach von der Angst, die neuerdings wieder unter den Juden Deutschlands umgeht, und von der Frage, wann der Zeitpunkt gekommen ist, die Heimat zu verlassen. Dass sich heute in Deutschland lebende Juden mit dieser Frage nicht nur theoretisch, sondern ganz konkret auseinandersetzen, zeigt, wie weit wir schon wieder gekommen sind und sollte eine dringend Warnung an alle sein. An alle, die nicht nur wieder schweigende und unbeteiligte Mehrheit sein wollen wie damals.

Anfang der 1930er Jahre, als die brüchig gewordene deutsche Demokratie es geschafft hatte, sich immerhin mit demokratischen Wahlen selbst abzuschaffen, da konnte sich noch niemand vorstellen, wohin das führen würde und was nur 10 Jahre später schon grausame Realität sein würde.

Heute sollten wir es besser wissen.


Es gibt einen WDR-Fernsehfilm dazu, ausgestrahlt am 14.10.19:

Jüdisches Leben – Alltag in Angst?

Autorin Lena Rumler hat Michael Rubinstein und andere Menschen für die WDR-Reportage „Unterwegs im Westen“ über lange Zeit begleitet. Auch zu einer Zeit, wo die Angst noch diffus war und ein Anschlag wie in Halle unwahrscheinlich schien. Rumler hat jüdische Kinder und Jugendliche getroffen, denen ihre Identität und der Zusammenhalt untereinander wichtig ist. Wie die 12-jährige Yael, die auf das jüdische Gymnasium in Düsseldorf geht. Ihre Familie lebt den jüdischen Glauben, wenn auch nicht immer sehr streng. Und Yaels Eltern ist es wichtig, dass ihre Kinder auch nichtjüdische Freunde haben. Ein ganz normales Leben also? Einerseits ja, andererseits aber auch nicht. „Meine Mama sagt mir immer, sobald wir Angst haben, gehen wir“, meint Yael dazu. Weg aus Deutschland. Bislang haben sie und ihre Familie sich hier sicher und zuhause gefühlt. Und jetzt?

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Und natürlich immer wieder BAP:

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