Erinnern: 27. Januar 1945 – Kölner Schulen in der NS-Zeit

Erinnern

Kölner Schulen in der NS-Zeit

Wir gedenken aller Opfer der NS-Diktatur. Im Jahr 2016 lenken wir  den Blick auf diejenigen Kölnerinnen und Kölner, die als jüdische SchülerInnen und LehrerInnen ins Exil gehen mussten oder in den Tod getrieben wurden. Wir wollen auch zeigen, wie Kinder und Jugendliche durch Unterricht und Gruppenzwang zu einem  rassistischen Menschenbild und militaristischem Handeln erzogen wurden.
Neben der Hitlerjugend (HJ) mit dem Jungvolk und dem Bund deutscher Mädel (BDM) war die Schule die wichtigste Instanz des NS-Staates, um die heranwachsende Generation auf das diktatorische System einzuschwören.

Noch vor der Kommunalwahl im März 1933 wurden in Köln die 13 konfessionslosen, sogenannten Freien Schulen geschlossen, deren Lehrkräfte und Schülerschaft vorwiegend aus dem sozialdemokratischen und kommunistischen Milieu stammten. Viele konfessionell gesinnte Eltern begrüßten diese Maßnahmen.

Auf der Leitungsebene – besonders der höheren Schulen – wurden zuverlässige Parteimitglieder eingesetzt. Jüdische und linksgerichtete PädagogInnen wurden in der Regel sofort entlassen.

1934 waren im Gau Köln-Aachen bereits 95 % der Lehrerschaft im NS-Lehrerbund organisiert. Viele rechtfertigten den Schritt mit der Sicherung der beruflichen Existenz. Wenige leisteten Widerstand. Besonders LehrerInnen an sog. Hilfsschulen beteiligten sich an Selektionen zur Zwangssterilisierung. Schon in den ersten Wochen nach der Machtübernahme wurden die Unterrichtsinhalte an der Ideologie der „Volksgemeinschaft“ neu ausgerichtet: Sie orientierten sich an einer Abkehr von den Ideen der Aufklärung und der Demokratie. LehrerInnen für „deutschkundliche“ Fächer mussten ein besonderes Treuebekenntnis zum
NS-Staat ablegen.

Schüler und Schülerinnen wurden über die HJ und den BDM nach und nach gleichgeschaltet. Die mühsam erkämpfte Bildung für Mädchen wurde abgewertet und auf die Rolle als „deutsche Frau und Mutter“ verengt. Die Erziehung der Jungen setzte auf körperliche Leistungsfähigkeit und Wehrhaftigkeit. Sinti- und Roma-Kinder wurden als „Fremdrassige“ aus ihren bisherigen Schulen vertrieben und in einer Sonderklasse zusammengezogen, bis die Nazis den Schulbetrieb für sie generell einstellten. Die meisten von ihnen wurden deportiert. Jüdische Kinder und Jugendliche erlebten massive Diskriminierungen und Beeinträchtigungen des Schulbesuches. Sie wurden schon früh zum Wechsel auf eine konfessionelle jüdische Schule genötigt. Nach der Reichspogromnacht 1938 erfolgte der Ausschluss aller jüdischen Schüler und Schülerinnen aus städtischen Schulen. Die jüdische Volksschule in der Lützowstraße und das Reformgymnasium Jawne in der St. Apernstraße verblieben nun für sie als einzig zugängliche Bildungsinstitutionen. Erich Klibansky, dem Leiter der Jawne, gelang es, 130 Jugendliche zu retten, 1100 und er selbst wurden deportiert und ermordet.

Während des Krieges wurden die meisten Schulgebäude zerstört und der Unterricht schließlich eingestellt. Im November 1945 begann der Unterricht an allen Kölner Schulen wieder – und damit der Kampf um deren Ausrichtung. Nur katholische und evangelische Volksschulen wurden zugelassen. FreidenkerInnen und reformpädagogische Ansätze hatten keine Chance. 1947 gab es in Köln nur vier schulpflichtige jüdische Kinder.

Einige Schulen haben ihre Verstrickung in den Nationalsozialismus aufgearbeitet, bei anderen ist sie bis heute ein Tabu.

„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel!“ – so schworen 1945 die Überlebenden des KZ Buchenwald. Dieser Schwur ist ein Vermächtnis an uns alle und hat nichts an Aktualität verloren. Auch Schule ist dazu aufgefordert, einen Beitrag zu leisten, dass Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Glauben, ihrer geschlechtlichen und sexuellen Identität und ihren Lebensumständen gewaltfrei, anerkannt und ökonomisch abgesichert in Köln leben können. Das gilt gerade auch für die, die derzeit zu uns kommen, weil sie in ihrer Heimat Verfolgung, Krieg und Hunger ausgesetzt sind.

Quelle: Rom e.V.

 

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